[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Krebs: Knoblauch schützt die Prostata [EU.L.E. HOME]

Key, TJA et al: A case-control study of diet and prostate cancer. British Journal of Cancer 1997/76/S.678-687

Es gibt kaum ein pflanzliches Lebensmittel, dessen Inhaltsstoffe nicht vor irgend einem Krebs schützen sollen. Über die Wirkstoffe herrscht jedoch Uneinigkeit. Diese britische Fall-Kontroll-Studie mit je 328 Patienten und Kontrollpersonen galt dem Prostatakrebs, der zweithäufigsten Krebsart bei Männern in Industriestaaten. Als Risikofaktoren standen insbesondere die Fette, als Schutzstoffe ß-Carotin bzw. Lycopin im Mittelpunkt des Interesses. Dazu wurden die Ernährungsgewohnheiten und die Einnahme von Supplementen der letzten fünf Jahre detailliert erfragt. Von allen untersuchten Lebensmitteln erwies sich lediglich Knoblauch als Schutzfaktor (p < 0.05). Hülsenfrüchte, vor allem Erbsen, verfehlten mit einem p-Wert von 0,066 die Signifikanz nur knapp.

Enttäuschend fielen die Ergebnisse für die Fett- und Antioxidantien-Hypothese aus: Weder die Menge noch die Art der Fette hatten einen Einfluß, ebensowenig ß-Carotin, Lycopin oder andere berechnete Nährstoffe. Knoblauch-Präparate waren ebenso unwirksam wie die meisten Vitaminsupplemente. Die einzige Ausnahme bildeten Vitamin-B6-Präparate (p< 0,05). Merkwürdigerweise bestand keine signifikante Korrelation zum B6-Gehalt der Nahrung.

Anmerkung: Die Stärke der Studie liegt in der Differenzierung nach Lebensmitteln bzw. Lebensmittelgruppen mit gemeinsamen biochemischen Merkmalen. Angesichts des Phytoöstrogengehaltes von Hülsenfrüchten (Isoflavonoide) und Knoblauch (Saponine) ist das Resultat plausibel (EU.L.E.n-Spiegel 1998/H.1/S.1-12). Eine in-vitro-Studie ergab, daß S-Allylcystein das Wachstum von Prostatakrebszellen hemmt (American Journal of Clinical Nutrition 1997/66/S.398-405). Insofern liegen auch Effekte auf andere sexualhormonabhängige Krebsarten nahe.

In der Antike wurde Knoblauch tatsächlich gegen Gebärmutterkrebs verordnet. Aus neuerer Zeit liegt hierzu lediglich eine Schweizer Studie vor, in der Knoblauch das Risiko senkte, an Endometriumkrebs zu erkranken (Cancer 1993/71/S.3575-3581).

Colonkrebs wird ebenfalls mit Phytoöstrogenen in Verbindung gebracht. Hierzu fand die Iowa Women's Health Study, daß von 127 erfaßten Lebensmitteln lediglich Knoblauch mit einem signifikant erniedrigten Krebsrisiko im Dickdarm korrelierte (American Journal of Epidemiology 1994/139/S.1-15). Bei der Erforschung sexualhormonabhängiger Krebserkrankungen ist daher nicht nur an Rotwein und Soja zu denken.Anders ist die Lage beim Magenkrebs, der vor allem in China sehr häufig vorkommt und auf eine erhöhte Nitrosaminbildung zurückgeführt wird. Die antibiotisch wirksamen Bestandteile des Knoblauchs wie Allicin als auch verwandte Substanzen wie S-Allylcystein gelten dort als Schutzfaktoren. Allicin tötet nitrosierende Bakterien ab, S-Allylcystein hemmt die Bildung von Nitrosaminen (Nutrition & Cancer 1997/28/S.1-6).

Da insbesondere bei Ernährungsempfehlungen die Meinung vorherrscht, viel helfe viel, sei noch ein Tierversuch angeführt: Er zeigte, daß die tägliche Aufnahme geringer Knoblauchmengen die DNS wirksamer schützt als hohe Dosen (Food and Chemical Toxicology 1996/ 34/S.43-47).



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