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Statt Viagra: Knoblauch als Aphrodisiakum |
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Koch, HP: Hormonwirkungen bei Allium-Arten. Zeitschrift für Phytotherapie 1992/13/S.1-12 Die Begeisterung für Phytoöstrogene ging am Knoblauch bisher fast spurlos vorbei, obwohl seine östrogenen, androgenen und aphrodisischen Effekte in der Volksmedizin wohl bekannt sind. Womöglich liegt es daran, daß Knoblauch im Gegensatz zu anderen Aphrodisiaka riecht. In solchen Fällen hilft die historische Literatur der modernen Pharmakologie auf die Sprünge. Prof. Heinrich Koch von der Universität Wien illustriert dies mit einem kulturhistorischen Bilderbogen: Den orientalischen Völkern der Antike diente Knoblauch zur Steigerung von Libido und Potenz. Im ägyptischen Papyrus Ebers (ca. 1550 v. Chr.) wird seine Anwendung in der Geburtshilfe, bei Menstruationsstörungen und Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane empfohlen. Bei den alten Griechen fütterte man Kampfhähne mit reichlich Knoblauch, um sie sexuell zu erregen und aggressiver zu machen. Hippokrates erwähnt, daß die Laucharten "bei Geburten den Uterus eröffnen". Der römische Dichter Vergil empfiehlt die "weiße Zwiebel", d.h. den Knoblauch, zur Steigerung der Potenz. Sein Kollege Marital preist ihn als Stärkungsmittel für die "mortua membra", die abgestorbenen Glieder. Der berühmte islamische Arzt Ibn al-Baitar schrieb, daß gekochter Knoblauch "den Samen vermehret und für die gut (sei), die wegen zu häufigem Beischlaf nur wenig Samen besitzen". So auch in Indien: Das sogenannte "Knoblauchlied" aus dem in Sanskrit verfaßten "Bower-Manuskript" bezeichnet den Knoblauch als "Mittel zur Gewinnung der Männer durch die Frauen für die Vergnügungen auf den Dächern der Häuser". In den heißen Ländern pflegte man die kühleren Nächte auf den Flachdächern zuzubringen und bei Mondlicht Liebesspiele zu veranstalten, die als "Fest des Knoblauchs" bezeichnet wurden. Vom frühen Altertum bis zum ausgehenden Mittelalter war Knoblauch als Aphrodisiakum und als Wehenmittel in Gebrauch. In den Kräuterbüchern, die in Europa an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit erschienen, wurden diese Eigenschaften ebenfalls erwähnt. So schreibt Leonhart Fuchs: "Knoblauch macht Neygung zum Schlaff und Lust zu den ehelichen Wercken". Natürlich beobachteten auch zahlreiche wissenschaftliche Experimentatoren der Gegenwart frappierende hormonelle Effekte: Beispielsweise entwickelten kastrierte männliche Bitterlinge nach der Injektion eines wässrigen Knoblauchextraktes ihr typisches Hochzeitskleid. Aber auch eher gegenteilige Effekte wurden gefunden: Bei Ratten wirkte Knoblauch spermizid, so daß er als potentielles Verhütungsmittel betrachtet werden kann.
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