[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Clenbuterol: Vergiftungen durch Leber [EU.L.E. HOME]

Garay, JB et al: Intoxicación por clenbuterol. Datos clinicos y analíticos de un brote epidémico en Mósteles, Madrid. Revista Clínica Española 1997/197/S.92-95 Bisher gibt es nur wenig Berichte über akute Vergiftungen durch den Verzehr von Fleisch, das noch Rückstände von Masthilfsmitteln enthält. Eine Madrider Klinik hat eine solche Intoxikation durch Genuß von Kalbsleber dokumentiert. 15 Personen wurden mit Symptomen wie Angst, Erbrechen, Zittern, Hautjucken (Pruritus), Herzrasen, Übelkeit und Beklemmung als Notfälle eingeliefert.

Die Beschwerden hatten 30 Minuten bis 2 Stunden nach der Mahlzeit eingesetzt. Eine Analyse des Urins bestätigte eine Vergiftung mit Clenbuterol. Das Arzneimittel hat sich nicht nur bei Bronchialerkrankungen bewährt, es fördert auch den Fleischansatz auf Kosten des Fettgehaltes. Deshalb beschäftigt es als illegale Masthilfe seit vielen Jahren die Lebensmittelüberwachung. Diagnostisch stand eine Tachykardie im Vordergrund, bei zwei Dritteln kam eine Hyperkaliämie und bei einem Drittel eine Leukozytose dazu. Ein Kind wurde wegen einer akuten Hochdruckkrise stationär behandelt.

Der insgesamt recht glimpfliche Verlauf und das rasche Abklingen der Vergiftung lag nach Ansicht der Ärzte an der gesunden Konstitution der Betroffenen. Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wären weitaus schwerere Komplikationen zu erwarten gewesen.

Nach Ansicht der Autoren bleibt eine Clenbuterolvergiftung oftmals unbeachtet, weil die Symptome leicht verwechselbar sind mit psychiatrischen Erscheinungsformen von Panikattacken oder Angstkrisen, mit Hyperthyreose, Blutvergiftung, Kokainmißbrauch oder den Symptomen, die bei der Einnahme von Antidepressiva in Verbindung mit Käsegenuß (biogene Amine) auftreten können (EU.L.E.n-Spiegel 1997/H.2/S.6). Klarheit schaffe in solchen Fällen eine Urinuntersuchung auf Clenbuterol.

Anmerkung: Zwei weitere Fallberichte liegen aus Italien und Frankreich vor: Der erste betraf 22 Menschen aus Lyon, Roanne und Clermont-Ferrand, die ebenfalls Kalbsleber verzehrt hatten (Veterinary and Human Toxicology 1991/33/S.480-481). Im zweiten Fall waren nicht Innereien, sondern Rindfleisch die Ursache. Wie die italienischen Mediziner berichten, hatten sich 62 Personen in Caserta damit vergiftet. Bereits mit dem Verzehr von 10 bis 20 Gramm Fleisch wurde eine übliche therapeutische Dosis von Clenbuterol aufgenommen. Eine normale Portion Fleisch löste bei Gesunden cardiovasculäre Beschwerden aus (Journal of the American Medical Association 1997/278/ S.635).



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