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Von Arzt zu Arzt: von Dr. med. Peter Porz Volle Kassen - leere Versprechen |
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Ist Ihnen in Ihrer Praxis auch schon aufgefallen, daß immer mehr Patienten die Verordnung von sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln verlangen? "Es kam doch gestern im Fernsehen bei Frau Holzbearbeiterin, daß dies und das deutlich gebessert würde, wenn man nur täglich mindestens 1 g Dieses oder Jenes nähme." Bildungslücke Also ich habe wirklich keine Zeit, mir diese offensichtlich allseits beliebten und immens weiterbildenden Sendungen zu Gemüte zu führen, doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß es sich dabei um einen Teil des Werbeprogramms handelt. Auffällig ist zudem, daß, sobald eines der propagierten Wundermittel im kommerziellen Niedergang begriffen ist, innerhalb kürzester Zeit ein neues, natürlich noch besseres Mittel in derartigen Sendungen präsentiert wird. Ich erinnere zunächst an die Spurenelemente und Vitamine, dann das Melatonin, dann wieder Vitamine und so weiter. Wunder- oder Werbemittel? Wie läßt es sich eigentlich mit der journalistischen Sorgfaltspflicht vereinbaren, wenn in nahezu sämtlichen seriösen Veröffentlichungen keine positiven Effekte der entsprechenden Substanz beschrieben werden, ja teilweise sogar erheblich schädigende Eigenschaften, während der Öffentlichkeit vorgegaukelt wird, es handele sich um die neue Wunderdroge? Als "Belege" für die angeblich sensationellen Erfolge treten dann (natürlich geheilte) Betroffene auf, oder Fachleute, oft in personam die Hersteller oder Vertreiber der Substanz, oder auch Kollegen. Letztere wagen es meist aufgrund der miserablen Datenlage nicht, eine eindeutige Stellungnahme zu äußern. Es könnte sich ja später etwas anderes herausstellen als damals gesagt - und wie würde man als Arzt und Wissenschaftler dann dastehen? Zugleich wird suggeriert, daß jeder Arzt, falls er sich ernsthaft um das Wohlergehen seiner Patienten sorgen sollte, gefälligst das neue Wundermittel zu verschreiben oder zumindest in den höchsten Tönen zu loben hätte. Anderenfalls sei er ein schlechter Arzt, zumindest befinde er sich drei Lichtjahre hinter der modernen Forschung. Dies wurde mir expressis verbis von einer Patientin unterstellt und erklärt, sie würde natürlich zu einem anderen Arzt wechseln. Profitorientierte Kumpel Klar, Journalismus lebt von der Sensation und beschäftigt sich mit den Nöten der Menschen. Außerdem müssen natürlich die Einschaltqoute und die Auflage stimmen, sonst sinken die Werbeeinnahmen. Aber rechtfertigt dies das Spiel mit der Urangst des Menschen vor Krankheit und Tod, das Erwecken von völlig unbegründbaren Hoffnungen und den gnadenlosen Geschäftssinn? Ich erinnere mich nur an den Besuch des Vertreters einer einschlägigen "Pharma"-Firma, der am Ende des Gespräches, nachdem ihm die Argumente ausgegangen waren, nur noch kumpelhaft erklären konnte, wir wüßten doch schließlich beide, wie die entsprechenden Studien durchgeführt würden. Fragen Sie Ihren Arzt oder ...? Sollten wir nun fordern, daß diese Wundermittel als Arzneimittel deklariert werden? Um nicht mehr argumentieren zu müssen? Oder um uns als Retter vor Unbill und Alter profilieren zu können, die sich in den Zeiten rückläufiger Patientenzahlen auf das Schreiben von Privatrezepten zurückziehen? Sie merken, mit Medizin an sich hat das Ganze schon lange nichts mehr zu tun. Und dies wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Zumindest so lange nicht, wie von unterschiedlichsten Interessengruppen aus jeder noch so kleinen und unbedeutenden Studie ein für das Fortbestehen der Menschheit entscheidender Nutzen herausgelesen wird und die negativen Resultate unter den Tisch fallen. Für uns Ärzte heißt das aber auch, viel Zeit in die (unbezahlte) Patientenaufklärung zu investieren. Wir sollten Mut beweisen, indem wir gegenüber unseren Patienten eindeutig Stellung beziehen und uns nicht auf das Niveau von Werbesendungen herabbegeben - denn wie heißt es immer so schön: "Zu Risiken und Nebenwirkungen ...!". NB: Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden TV-Sendungen oder Artikeln in Printmedien sind nicht zufällig, sie entsprechen den eigenen Erfahrungen und sind beabsichtigt.
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