[BACK] [BACK WIDE] [HOME] [FORWARD]Zu Tisch bei Pharaos[EU.L.E. HOME]

Schwarzenberg, M: Backen und Brauen zur Zeit der Pharaonen.
Naturwissenschaftliche Rundschau 1997/50/ S.454-456
Einem berühmten Couplet zufolge aß man im alten Theben "gehackte Mumie mit Spinat". Als noch abenteuerlicher entpuppte sich die Vorstellung der Wissenschaft vom vermeintlich primitiven Backen und Brauen der alten Ägypter: Die Erzeugnisse sollen beinahe ungenießbar gewesen sein. Die britische Archäologin Delwen Samuel untersuchte 70 Brotlaibe und 200 Krüge mit eingetrockneten Bierresten und kam zu appetitlicheren Ergebnissen.

Das wichtigste Brotgetreide war der Emmer, eine alte Weizensorte. Die ägyptischen Bäcker führten ihre Teige sehr feucht, wie Samuel im Rasterelektronenmikroskop an den Stärkekörnern erkannte. Die "weiche" Teigführung ist heute als Folge der Automatisierung zwar verpönt, gilt aber nach wie vor als Zeichen einer besonders guten Brotqualität.

Einige Brotsorten enthielten vorgekeimten Weizen, also Malzzusätze, und können sogar als Vorbild der derzeit populären "Frischkornbrote" gelten. In ihrer Krumenstruktur waren die altägyptischen Laibe unserem heutigen traditionellen Brot verblüffend ähnlich. Selbst das beliebteste ägyptische Brotgewürz steht bis zum heutigen Tag in Ehren: der Koriander.

Auch ihr Bier brauten die Ägypter wie wir heute aus gemälzten und gedarrten Getreidekörnern. Dann folgte ein Kunstgriff: Das Malz wurde nicht nur mit Wasser sondern auch mit frischen vorgekeimten Körnern ("Grünmalz") versetzt und anschließend vergoren.

Britische Brauereien erprobten das mutmaßliche ägyptische Originalrezept. Das Gebräu verblüffte: Ein hervorragendes Bier mit intensivem, vollem Geschmack.



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