[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Von Arzt zu Arzt:
von Prof. Dr. med. Bernhard Przybilla und Dr. med. Franziska Ruëff
von der Dermatologischen Klinik und Poliklinik, Klinikum Innenstadt, München
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Durch Nahrungsmittel ausgelösten Erkrankungen liegen verschiedene Mechanismen zugrunde. Während Infektionen oder Vergiftungen jeden betreffen können, entstehen Überempfindlichkeitsreaktionen aufgrund individuell veränderter Reaktionslagen. Von einer Allergie sprechen wir nur dann, wenn die krankhafte Überempfindlichkeit immunologisch vermittelt ist. Was die sogenannten Pseudo-Allergien, die anhand der Beschwerden oft nicht von Allergien zu unterscheiden sind, auslöst, liegt noch weitgehend im Dunkeln.

Diagnostik: Tests alleine reichen nicht

Für die Betroffenen sind die Auswirkungen oft gleich: Sowohl Allergien als auch Pseudo-Allergien verursachen unter anderem Nesselsucht, Magen-/Darmbeschwerden, Asthma, Kreislaufreaktionen bis hin zum allergischen Schock oder atopische Ekzeme. Was die diagnostischen und - teilweise - die therapeutischen Möglichkeiten betrifft, sind die Unterschiede jedoch wesentlich, denn Allergietests können zwar eine Sensibilisierung nachweisen, führen aber bei Pseudo-Allergien nicht weiter.

Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelüberempfindlichkeit, ist die erste Maßnahme die Erfassung der Krankheitsgeschichte. Hauttests oder Laboruntersuchungen können bei vermuteter allergischer Reaktionslage weitere wichtige Befunde erbringen. Allerdings gibt es bei allen Verfahren der Allergiediagnostik das Problem, daß ein positives Testergebnis kein sicherer Beweis für das Vorliegen einer klinisch relevanten Sensibilisierung ist, und daß andererseits ein negativer Test eine krankmachende Überempfindlichkeit nicht ausschließt.

Es ist daher nicht gerechtfertigt, allein aufgrund von Testergebnissen einschneidende Karenzmaßnahmen zu empfehlen. Zuerst muß der Zusammenhang zwischen den Ergebnissen und den Beschwerden durch einen Provokationstest gesichert werden: Klingen die Symptome nach Weglassen des verdächtigen Auslösers ab und treten sie nach kontrollierter Zufuhr wieder auf, so sind Karenzempfehlungen diagnostisch gerechtfertigt.

Provokationstest: nur beim erfahrenen Arzt

Da bei Provokationstests durchaus schwere Reaktionen auftreten können dürfen sie nur unter Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen von Ärzten durchgeführt werden, die mit der Methode vertraut sind. Mit Provokationstests können auch Auslöser pseudo-allergischer Reaktionen ermittelt werden.

Eine exakte Diagnosestellung ist auch für die therapeutischen Konsequenzen wichtig: Je nach Art des Auslösers bzw. des Auslösemechanismus ist entweder eine konsequente Meidung erforderlich, oder es kommen zusätzlich medikamentöse Maßnahmen oder eine Hyposensibilisierung in Betracht.

Unnötige Diäten: Gefahr der Mangelernährung

Ungezielte Eliminationsdiäten oder Karenzempfehlungen aufgrund nicht reproduzierbarer Testverfahren sind abzulehnen: Sie stellen eine ungerechtfertigte Beeinträchtigung der Lebensführung dar, sie führen zu psychosozialen Störungen und - vor allem bei Kindern - nicht selten zur Mangelernährung.



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