[BACK] [BACK WIDE] [HOME] [FORWARD]Von Arzt zu Arzt: ... von Blut und Ketchup
von Dr. Peter Porz
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Für uns Ärzte ist die Bestrahlung längst Alltag, nicht nur in der Strahlentherapie: Viele Verpackungsmaterialien, Katheter und Gummihandschuhe werden mit ionisierenden Strahlen sterilisiert. Da es grundsätzlich nicht möglich ist, eine Strahlensterilisation durchzuführen, ohne daß es zu strahlenchemischen Änderungen des Materials kommt, überrascht folgende aktuelle Meldung nicht: Kunststoffe, die mittels Bestrahlung kaltentkeimt werden, können danach unerwünschte Radiolyseprodukte enthalten. Vor allem die zugesetzten Antioxidantien werden in fragwürdige Bruchstücke zerlegt, die dann ins Füllgut geraten, sei es eine Blutkonserve oder Ketchup.

Tarnen und Täuschen

Es ist nicht das erste Mal, daß dieses angeblich so gut untersuchte Verfahren andere Wirkungen zeitigt als seine Befürworter garantieren. Die toxikologische Forschung wurde lange Zeit vom US-Militär gegängelt. Als dem niemand mehr glauben wollte, übertrug es die Prüfung einem neutralen und renommierten Labor. Dies brachte es auf immerhin 22.000 toxikologische Studien, vorwiegend im Auftrag der chemischen Industrie - bis der Staatsanwalt einschritt: Das Labor hatte getürkt - nicht erst bei der Bestrahlung, sondern auch bei Arzneimittelprüfungen.

Fach-Chinesisch

Wir Ärzte sollten uns also gegenüber amtlichen "Unbedenklichkeits-Testaten" eine gewisse Skepsis bewahren. Umso mehr, als es bei der Bestrahlung noch ein ungeklärtes, aber wichtiges Detail gibt: Verschiedentlich wurde nach der Verfütterung bestrahlter Nahrung Polyploidie beobachtet. Eine befriedigende Erklärung dafür steht bis heute aus. Da Polyploidie mit äußerst malignen Vorgängen verbunden sein kann, sollten wir nicht mit einem Hinweis auf "gegenteilige Ergebnisse" zur Tagesordnung übergehen. Zumal die jüngsten Studien mit bestrahlter Nahrung am Menschen bezeichnenderweise nur in chinesischer Sprache veröffentlicht wurden.

Nutzen bedenken

Diese Unsicherheiten dürfen aber nicht den Blick für den Nutzen verstellen. Die Bestrahlung hat die Bekämpfung der Bilharziose einen großen Schritt weitergebracht. Unter dieser - nach der Malaria wichtigsten - Tropenkrankheit leiden etwa 250 Millionen Menschen. Verabreicht man bestrahlte, aber noch lebensfähige Larven des Erregers an Mäuse, stimulieren sie das Immunsystem der Tiere, die nun eine Resistenz entwickeln. Die Chancen stehen gut, einen Impfstoff aus einem Antigen-Cocktail entwickeln zu können.

Vielleicht wird eines Tages auch die Lebensmittelbestrahlung zur Inaktivierung von Parasiten überflüssig werden.


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