[BACK] [BACK WIDE] [HOME] [FORWARD]Beriberi, eine Mykotoxikose[EU.L.E. HOME]

Tainsh, RA: Beriberi and Mycotoxicosis: An historical account.
Nutrition and Health 1984/3/S.189-193

Für den Schweden Ramsay Tainsh, der lange in Burma tätig war, ist es unstrittig, daß es sich bei der Beriberi um eine Mykotoxikose handelt. Er geht die Frage historisch an und berichtet, daß indische "Gastarbeiter" im ehemaligen Ceylon (heute Sri Lanka) von Zeit zu Zeit an Beriberi erkrankten. Die Inder wurden zum Straßenbau ins Land geholt und von importiertem chinesischem Reis ernährt, der offenbar dann und wann ein Toxin enthielt. Auch in der indischen Armee gab es hauptsächlich weißen Reis zu essen, und dennoch erkrankten die Soldaten nicht. Dies führt Tainsh auf Qualitätsstandards zurück, die von Florence Nightingale Mitte des 19. Jahrhunderts im Auftrag der englischen Kolonialherren eingeführt wurden. In der Folge durfte nur noch frischer, sauberer und trockener Reis gehandelt werden.

Die Beobachtung Eijkmans und anderer, daß im Silberhäutchen und im Keim des Reiskorns Stoffe enthalten sind, die Fehlernährung und Polyneuritis vermeiden, hält Tainsh für korrekt. Allerdings sei es falsch, die Polyneuritis des Geflügels mit Beriberi gleichzusetzen. Mit besserer Reisqualität sei die Beriberi in Sri Lanka und Malaysia verschwunden. In der japanischen Marine trat immer dann keine Beriberi auf, wenn Reis durch andere Lebensmittel wie Bohnen, Erbsen, Fleisch oder Kartoffeln ersetzt wurde.

Die entscheidende Entdeckung machte 1891 der japanische Mykologe Sakaki: Er wies in Tierversuchen die Toxizität von schlecht getrocknetem, verschimmeltem Reis nach. In einer Beriberi-Region stellte er alkoholische Auszüge aus Reiskörnern her, einmal aus Reis direkt vom Feld und einmal aus Lagerhausreis, der nicht ausreichend an der Sonne getrocknet worden war. Während der erste Auszug harmlos war, tötete der zweite Kaninchen, Frösche und Meerschweinchen.

Anmerkung: Bei beiden Auszügen handelte es sich um verschimmelten Reis, denn der Pilz befällt die Pflanzen bereits auf dem Feld. Ob das Getreide krank macht oder nicht, hängt demnach entscheidend von der richtigen Nacherntebehandlung, insbesondere vom Trocknen an der Sonne ab. Denkbar wäre, daß die UV-Strahlen die Mykotoxine so verändern oder zerstören, daß ordentlich sonnengetrockneter Reis trotz Pilzbefalls harmlos ist.



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