[BACK] [BACK WIDE] [HOME] [FORWARD]Nobelpreis: Was Eijkman wirklich erkannte[EU.L.E. HOME]

Eijkman, C: Polyneuritis in chickens: a new contribution to its aetiology.
Geneeskundig Tijdschrift voor Nederlandsch-Indië 1896/36/S.214-269, ins Englische übersetzt und herausgegeben von Hoffmann-La Roche, ohne Ort, 1990

Der holländische Arzt Christiaan Eijkman war Ende des 19. Jahrhunderts in Batavia (heute Jakarta) stationiert, um die Beriberi zu erforschen. Zufällig entdeckte er bei seinen Hühnern, die er mit gekochten Reisresten des nahegelegenen Militärhospitals fütterte, eine Krankheit, die Ähnlichkeit mit der Seuche hatte. In der Hoffnung, dadurch schneller ein Heilmittel gegen die menschliche Beriberi zu finden, führte er zahlreiche Fütterungsversuche durch. Er überprüfte mögliche Ursachen, z.B. das Kochen per se, verunreinigtes Kochwasser, bakterielle Infektionen des Reises, eine zu stärkereiche oder anderweitig einseitige Kost der Versuchstiere. Bakterielle Infektionen konnte er bald ausschließen. Dagegen deutete alles auf den Reis selbst. Die "weiteren Experimente zeigten, daß die Tiere betroffen waren, egal welchen Ursprungs der Reis war. ... Die Hühner wurden auch krank bei Futter aus ungekochtem Tafelreis ... Im Gegensatz dazu erwies sich ungeschälter oder sogar teilgeschälter Reis ... als harmlos, auch wenn er feingemahlen und gekocht wurde...".

Allerdings gab es auch spontane Heilungen ohne Kostumstellung. Gegen einen Nahrungsmangel sprach, daß manche Tiere plötzlich starben, trotz guten Ernährungszustandes. Andererseits waren viele stark unterernährt, wenn die ersten Symptome einsetzten, und nicht bei allen Hühnern konnte Eijkman Schäden an den peripheren Nerven feststellen. Am Ende seiner langjährigen Experimente stellte er fest: "Die derzeit einzige überzeugende Schlußfolgerung aus unseren Fütterungsversuchen ist, daß das Auftreten der Krankheit an das Vorhandensein von Stärke im Futter gebunden ist. Das ist eine conditio sine qua non. Wenn wir die Stärke weglassen und die Tiere nur mit Fleisch füttern, oder die Stärke durch andere Kohlenhydrate ersetzen, kommt es nicht zur Polyneuritis oder, einmal ausgebrochen, bildet sie sich sogar zurück. Jetzt, da wir die weitgehend akzeptierte Ansicht vertreten, daß die Polyneuritis toxischen Ursprungs ist, müssen wir konsequenterweise annehmen, daß die Stärke Träger eines Toxins ist oder daß das Toxin im Intestinaltrakt aus Stärke gebildet wird ... In den Hüllen der Reiskörner, insbesondere im Silberhäutchen ... sind ein oder mehrere Bestandteile zu erwarten, die das Toxin unschädlich machen oder seine Bildung verhindern."

Eijkman zweifelte bis zuletzt daran, daß die von ihm studierte Geflügel-Polyneuritis mit der menschlichen Beriberi identisch ist. Beispielsweise war es ihm nicht gelungen, seine an Geflügel gewonnenen Ergebnisse mit Säugetieren zu wiederholen. Er konstatierte: "Wir kennen keine Fakten, die uns dazu veranlassen könnten, die Entstehung der Beriberi ebenso direkt auf Nahrungsfaktoren zurückzuführen wie es offensichtlich bei der Polyneuritis des Geflügels der Fall war."

Anmerkung: Dennoch werden Eijkmans Versuche immer wieder als Beweis dafür angeführt, daß es sich bei der Beriberi des Menschen um eine Vitamin-B1-Mangelkrankheit handele. 1929 erhielt Christiaan Eijkman sogar den Nobelpreis für Medizin für die "Entdeckung des antineuritischen Vitamins". Möglicherweise ist Thiamin aber nur für Geflügel von besonderer Bedeutung.



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