[BACK] [BACK WIDE] [HOME] [FORWARD]Wein als Antibiotikum[EU.L.E. HOME]

Weisse, ME et al: Wine as a digestive aid: comparative antimicrobial effects of bismuth salicylate and red and white wine.
British Medical Journal 1995/311/S.1657-1660

Wein gilt seit alters her als verdauungsfördernd und gelegentlich sogar als antibakteriell. Allerdings gab es hierzu keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen, auch wenn anekdotische Berichte diese Auffassung stützen. So sollen während der Pestepidemie Ende des 19. Jahrhunderts in Paris die Weintrinker verschont geblieben sein. Ärzte vom Tripler Army Medical Center in Honolulu verglichen nun die antimikrobiellen Eigenschaften von Wein mit Wismutsalicylat, einem in den USA häufig verschriebenen Medikament zur Vorbeugung gegen Reisedurchfall. Als Testorganismen dienten wichtige Erreger von Durchfallerkrankungen: Escherichia coli (US-Nr. 25922), Salmonella enteritidis Serotyp typhimurium und Shigella sonnei, als Testflüssigkeiten ein Chardonnay, ein portugiesischer roter Tafelwein, 10 %iges Ethanol und Tequila, der mit Wasser auf 10 % Alkoholgehalt verdünnt wurde. Das Wismutsalicylat wurde in einer Konzentration von 35 mg/l eingesetzt.

Am wirksamsten waren die beiden Weine. Innerhalb von 20 min wurde die Zahl der koloniebildenden Mikroorganismen in allen drei Fällen von 105 - 106 auf Null reduziert. Wismutsalicylat benötigte für den gleichen Effekt bei den Shigellen und Salmonellen drei- bzw. sechsmal so lange. Bei verdünntem Tequila dauerte es in allen drei Fällen 24 Std. 10 %iges Ethanol war ebenso wirkungslos wie pures Wasser.

Selbst in einer Verdünnung von 1:4 waren die Weine gegen E. coli wirksam und reduzierten die Zahl der Mikroorganismen innerhalb von 24 Std um 5 Zehnerpotenzen, Wismutsalicylat schaffte nur 2 Zehnerpotenzen. Weißwein war in diesen Versuchen dem Rotwein überlegen. Die Autoren glauben, daß ein Polyphenol für die Wirkung verantwortlich ist, das während der Fermentation freigesetzt wird. Nach ihren Erfahrungen nimmt die antimikrobielle Aktivität während der Lagerung zu, um nach etwa 10 Jahren wieder zu sinken.

Anmerkung: Es muß offenbleiben, welche praktische Bedeutung dem Wein bei der Prophylaxe von Durchfallerkrankungen zukommt. Eine Literaturrecherche ergab, daß bisher keine epidemiologischen Studien vorliegen, in denen sich Wein als protektiv bei Infektionen mit Salmonellen, Shigellen oder E. coli erwiesen hat. Kritiker spöttelten, die Autoren hätten lediglich gezeigt, "daß Wein als Marinade für kontaminierte Lebensmittel besser geeignet ist als Wismutsalicylat", es wäre jedoch "verrückt", Fernreisende vorbeugend zum Weintrinken zu animieren. (British Medical Journal 1996/312/S.642)



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