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Ungewöhnliche Vermehrung im Darm

"Beim Karamelmachen entsteht eine Chemikalie, die unter Krebsverdacht geraten ist." Aber keine Bange lieber Leser, "wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen." Antwort des Fachblattes für Verbrauchertips: Essen Sie bloß nicht zuviele Ostereier mit Karamelgeschmack. Denn die fördern Darmkrebs. Ursache ist ein Stoff namens HMF, sprich Hydroxymethylfurfural. Drei Ypsilons in einem Wort - wenn das nicht giftig ist. Forscher der Universität Toronto hatten mit HMF in ihren Labors "eine ungewöhnliche Vermehrung von Ratten-Schleimhautzellen" erzielt. Und noch schlimmer: "Weltweit gibt es bisher keine Grenz- oder Richtwerte für HMF", so die Postille. Warum auch? Schließlich entsteht HMF in praktisch allen gekochten Mahlzeiten, insbesondere dann, wenn Zukker oder Stärke erhitzt werden, z.B. beim Backen von Brot und Braten von Kartoffeln. Nur saftige Steaks, frische Butter und Spiegeleier sind so ziemlich frei davon.

Ein Verbrauchertest förderte bei gebrannten Mandeln, Krokant-Eiern und Sahnebonbons hunderte von Milligramm an HMF zutage. Und da es aus naheliegenden Gründen keine Höchstmenge gibt, entschlossen sich die Tester zum weltweit ersten Karamel-Ostereier-Grenzwert von 350 mg/kg, gerade so bemessen, daß er von einem Drittel der Proben überschritten wurde. Wenn allerdings das HMF tatsächlich so gefährlich für den Darm ist, fragt man sich, warum die Waren mit den höchsten Gehalten nicht Gegenstand der Untersuchung waren? Es sind Trockenfrüchte. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Vielleicht werden Müslis mit Trockenfrüchten - als gesunde Alternative zum Zucker - inzwischen nicht mehr so regelmäßig und vor allem in geringeren Mengen als Eier aus Blätterkrokant verzehrt?

(Öko-Test-Magazin 1997/H.4/S.39-41)



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