[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Anorexie (Magersucht) [EU.L.E. HOME]

Magersüchtigen fehlt es nicht am Appetit, sie sind vielmehr süchtig nach Hunger. Die Krankheit beginnt in der Regel während der Pubertät, meist mit 16 Jahren, häufig nach einer strengen Diät. Das amerikanische Diagnostische Statistische Handbuch der psychischen Krankheiten (DSM IV) nennt vier Kriterien für die Diagnose:

  • Gewichtsabnahme auf unter 85 % des altersgemäßen Gewichts
  • große Furcht vor Gewichtszunahme
  • verzerrte Körperwahrnehmung sowie
  • Ausbleiben der Regel (Amenorrhoe).
Kritiker geben zu bedenken, daß Gewichtsabnahme und Amenorrhoe infolge des Hungerzustandes auftreten. Zudem werden die anderen Kriterien nicht von allen Anorektikerinnen erfüllt. Zur Charakterisierung sollten besser die beiden Verhaltensauffälligkeiten dienen, die Magersüchtige von anderen Kranken unterscheiden: das Sich-Selbst-Aushungern verbunden mit gesteigerter körperlicher Aktivität.

90 % aller Magersüchtigen sind weiblich. Ob sie überwiegend aus höheren sozioökonomischen Schichten kommen, ist umstritten. Sie haben meist keine Krankheitseinsicht, so daß es schwierig ist, sie zur Therapie zu motivieren.

Körperliche Folgen sind u.a. Unterkühlung, Herzrhythmusstörungen, Hypertrophie der Speicheldrüsen, Lanugobehaarung, verzögerte Magenentleerung, Ödeme, Verstopfung und Polyurie. Die Laboruntersuchung ergibt z.B. erhöhtes CRH, GH und Cortisol, erniedrigtes LH und FSH, Anämien, Leukopenien, erhöhte Leberenzym- und niedrige Nüchternblutzuckerwerte.

Durch Herzschäden kann es zum plötzlichen Tod kommen. Weitere Spätfolgen sind chronische Magen- und Verdauungsprobleme sowie Osteoporose. Die Prognose der Magersucht ist unvorhersehbar: Während rund 50 % vollständig genesen, sterben bis zu 20 % der Erkrankten an Auszehrung oder durch Selbstmord.



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