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GENTECHNIK: CHAOS ODER CHANCE, PANIKMACHE ODER HOFFNUNG?
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GENTECHNIK: CHAOS ODER CHANCE, PANIKMACHE ODER HOFFNUNG? Glaubt man den Befürwortern der Gentechnik, kommen herrliche Zeiten auf uns zu: Keine gammelig aussehenden oder verdorbenen Lebensmittel trüben mehr das Eßvergnügen, die Nutzpflanzen stehen in vollem Saft und benötigen weder Dünger noch Pestizide. Und auch die Nutztiere erfreuen sich bester Gesundheit, ihre Produkte sind nur noch nahrhaft und gesund. Gegner der Gentechnik warten dagegen allzuoft mit wahren Horrorszenarien von gentechnisch manipulierten Tier- und Pflanzenmonstern auf, die letztlich nur bedrohlich für das Fortbestehen der Menschheit sein können. GENTECHNIK: MEDIZINISCH DURCHAUS VON NUTZEN In der vehement geführten öffentlichen Diskussion geht dabei leicht unter, daß in der Medizin mit der Gentechnik Entwicklungen möglich wurden, die mit den bisherigen Methoden gänzlich ausgeschlossen waren. So ist die Behandlung einer renal bedingten Anämie überhaupt erst durch das nur gentechnisch herzustellende Erythropoetin möglich geworden. Beruhigend ist auch, daß wir heute das menschliche Wachstumshormon gentechnisch herstellen können und damit die Gefahr einer Übertragung von BSE oder CJK endgültig ausgeschlossen haben. Schwieriger liegt der Fall beim Humaninsulin. Es wird bekanntlich von genmanipulierten Mikroorganismen produziert und das auch noch in praktisch unbegrenzter Menge. Für die meisten der insulinabhängigen Patienten ist dieses mit dem körpereigenen Insulin identische Medikament ein Segen. Wie sich jedoch viele der Kollegen sicher erinnern können, gab es zu Anfang bei der Umstellung vom tierischen auf die neuen Insuline erhebliche Probleme: Da es sehr oft zu Hypoglycämien ohne Vorwarnsymptome kam, war die Dosisanpassung äußerst schwierig. Diese Probleme sind bis heute noch nicht gelöst, und auch aus meinem Patientenkreis sind mir weiterbestehende Schwierigkeiten bekannt. PROBLEM ANTIBIOTIKARESISTENZ-GENE Ein wichtiger Aspekt der gentechnischen Pflanzenzüchtung, der die Humanmedizin betrifft, ist ebenfalls noch nicht endgültig geklärt: Um die erfolgreiche Übertragung des Genmaterials zu überprüfen, werden als Marker bevorzugt Antibiotikaresistenz-Gene mit übertragen. Werden diese später nicht wieder entfernt - was durchaus möglich ist - könnte dies unangenehme Folgen für Ärzte und Patienten haben: Die zumindest in vielen Krankenhäusern ohnehin schon bestehende Problematik der Antibiotikaresistenz könnte sich weiter verschärfen, da eine Übertragung der Resistenzgene auf Mikroorganismen durchaus vorstellbar ist. GENTECHNOPHOBIA NICHT SCHÜREN Auf entsprechende Fragen unserer Patienten sollten wir die im Moment in der Öffentlichkeit vorherrschende Panikmache nicht unterstützen. Wir sollten vielmehr auch auf die positiven Aspekte dieser neuen Technologie für die Medizin hinweisen oder z.B. zu bedenken geben, ob eine schädlingsresistente Nutzpflanze, deren Anbau deutlich weniger Pestizide nötig macht, nicht auch von Vorteil sein kann. Dabei sollten wir allerdings nie den kritischen Blick für die Gefahren der neuen Entwicklungen verlieren, denn wie jede Technik hat auch die Gentechnik Risiken. Und damit müssen wir umzugehen lernen.
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