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Mutationszüchtung: Atomtechnik als Alternative zur Gentechnik
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Mutationszüchtung: Atomtechnik als Alternative zur Gentechnik
Novak, FJ, Brunner, H: Plant breeding: Induced mutation technology for crop improvement. IAEA Bulletin 1992/34(4)/S.25-33 Die Pflanzenzüchtung benötigt genetische Vielfalt, um neue Sorten zu erzeugen. Vielfach fehlt jedoch die gewünschte Variation. Durch künstlich induzierte Mutationen mittels Strahlung (z.B. Gamma- oder Neutronenstrahlen) oder chemischer Mutagene (z.B. Äthansulfonat) wird seit langem versucht, die Auswahl für den Züchter zu erweitern. Dort, wo kein Gen gegen eine bestimmte Krankheit oder für eine Streßtoleranz vorhanden ist, war die Mutationszüchtung die einzige Möglichkeit, um neue, in der Natur nicht vorhandene Eigenschaften zu erzeugen. Die so gewonnenen Mutanten werden durch Auslesezüchtung isoliert und bei Bedarf durch Kreuzungszüchtung in bestehende Sorten integriert. Zahlreiche Pflanzenarten wurden mit Mutationszüchtung bearbeitet. So berichtet die Internationale Atomenergiekommission (IAEA) von über 14.000 Experimenten mit Gammastrahlen (60Cobalt), über 5.000 mit schnellen Neutronen und gut 500 mit anderen Mutagenen in den Jahren 1967 bis 1992. Dieser Behandlung wurden praktisch alle Getreidearten inklusive Amaranth und Quinoa, viele Leguminosen und Gemüsearten wie Soja, Erdnuß, Kartoffeln, Tomaten, Yams, aber auch die wichtigsten Obstarten wie Zitrusfrüchte, Äpfel, Pfirsiche und Wein unterzogen. Bis heute wurden mit Hilfe der Mutationszüchtung über 1.800 neue Sorten auf den Markt gebracht. In Italien bedecken Hartweizen-Mutanten (für Nudeln) etwa 70 % der Durum-Anbaufläche. Praktisch alle in Zentraleuropa angebauten Gerstensorten (für Bier) haben in ihrem Erbgut Gene, die so in der Natur nicht vorkommen. Beim Reis kam die Mutationszüchtung auf 200 neue Varietäten, bei den Leguminosen auf 100 neue Sorten. Zur Zeit wird die Banane intensiv bearbeitet. Durch ihre geringe genetische Variation war es erforderlich, die Resistenzen durch Mutationszüchtung zu generieren. Die Kritik an der Gentechnik wird von der Atomwirtschaft mit Genugtuung zur Kenntnis genommen: Schließlich habe sich die Mutationszüchtung lange genug bewährt, um hier eine echte Alternative zu den umstrittenen transgenen Pflanzen zu bieten. Anmerkung: Die entsprechenden Mutantensortimente unserer Kulturpflanzen sind dank der Züchtung mit Gammastrahlen reich bestückt: Zur Zeit existieren etwa 7.000 Reismutanten und 1.800 Tomatenmutanten, die bei Bedarf zur Züchtung neuer Sorten verwendet werden. Während die Ausbeute an Mutanten mit positivem Zuchtwert bei Nutzpflanzen eher gering ist, war sie bei industriell genutzten Mikroorganismen sehr erfolgreich. Neben den bekannten Beispielen wie Bier- und Bäckerhefen gibt es auch unter den Toxinproduzenten verbesserte Organismen: So wird die pharmazeutische Nutzung von Claviceps purpurea (Mutterkorn) heute durch neue Mutanten erleichtert, die vermehrt toxische Alkaloide bilden.
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