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Weihnachten - eine "Lichtmangelkrankheit"

Was wäre die Weihnachtszeit ohne Kerzenlicht und Lebkuchenherzen? Pünktlich zum Fest steigt unsere Lust auf Süßes unwiderstehlich an. Aber warum? Weil Stollen und Plätzchen nun mal Tradition haben? Wohl kaum, denn Traditionen haben meistens einen tieferen Sinn. Warum also die Makronen-Glühwein-Kerzen-Bräuche?

Unterbelichtet

Uns fehlt in der Weihnachtszeit, an den kurzen Wintertagen schlicht die Sonne! Und weil ihr Licht unter anderem für Ausgeglichenheit sorgt, wird alles getan, um den Mangel zu kompensieren: Während die Rentner scharenweise nach Mallorca und Abenteuerlustige gen Indien flüchten, bleibt den Daheimgebliebenen oft nur Blätterkrokant, Punsch und Kerzenlicht, um die frühe Düsternis ein wenig erträglicher zu machen. Für manche reicht das aber nicht aus: Sie leiden im Winter an unbändiger Müdigkeit, ein wahrer Heißhunger auf Süßes plagt sie und regelrechte Schwermut überkommt sie. An dieser so treffend als "Winterdepression" titulierten Krankheit wird der Zusammenhang zwischen Licht, Wohlbefinden und Eßverhalten besonders deutlich: Sie ist mit ein paar Stunden hellen Lichts zu beheben, und meist verschwindet als allererstes der Süßhunger.

"Lebenselixier" Licht

Licht kann aber noch viel mehr. Da es über die Augen direkten Zugang zum Hypothalamus im Gehirn hat, greift es in die Regulation des gesamten Stoffwechsels ein. Daher sollte bei "vegetativen" Störungen auch an einen Lichtmangel als mögliche Ursache gedacht werden. Beispielsweise beim prämenstruellen Syndrom: Warum den Frauen die Schokolade verbieten, wenn mehr Licht den Kohlenhydrathunger auf natürliche Weise eindämmt und den Hormonhaushalt wieder ins Lot bringt.
Natürlich "funktioniert" unser Organismus auch ohne Licht - aber eben nicht optimal, wie am Beispiel blinder Menschen gezeigt werden konnte: Lichtmangel führt zu Störungen im Hormonhaushalt sowie im Stoffwechsel von Leber, Niere und Pankreas.

Risiko Kunstlicht

Das führt zwangsläufig zu der Frage, ob wir nicht reichlich unterbelichtet sind, so wie wir leben: Im Winter werden viele Berufstätige nur vom Kunstlicht der Bürolampen beschienen, und selbst im Sommer kommen die meisten von uns nur wenig ins Tageslicht - oder sie übertreiben es maßlos. Sicher, es ist hell in den Büros, so daß genügend Licht zum Sehen da ist. Bei den biologischen Wirkungen, die über das Sehen hinausgehen, können gewöhnliche Lampen das Sonnenlicht jedoch nicht ersetzen - dafür unterscheidet sich ihre Zusammensetzung und Intensität zu stark.
Zuviel Kunstlicht kann aber nicht nur Streß, Kopfweh und Augenflimmern verursachen: Von Halogenlampen ohne Glasabdeckung gehen krebserzeugende UV-C-Strahlen aus, und in Australien fand man einen Zusammenhang zwischen Neonlicht und dem Auftreten von Hautkrebs. Aufgefallen war, daß der bösartige Krebs bei Büroangestellten häufiger vorkommt als bei Menschen, die sich viel im Freien aufhalten: Die Sonne allein kann also am Hautkrebs nicht schuld sein.
Doch zurück zum mitteleuropäischen Winter. Wundern wir uns nicht über Süßhunger und üble Laune, wenn wir monatelang unter (schlechtem) Kunstlicht sitzen. Und bevor Sie zu einer "neuen" Diät greifen: Vielleicht ließe sich Ihr Psychologe gegen eine bessere (Vollspektrum-)Lampe eintauschen und Ihr Diätbuch durch Spaziergänge während der Mittagspause ersetzen? Frohe Weihnachten!

Ulrike Gonder



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