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Afrikanische Landwirtschaft: keine Gefahr für den Wald |
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DE SELINCOURT, K: Demon farmers and other myths. New Scientist 27.4.1996/S.36-39 In Westafrika stirbt der Wald mit rasender Geschwindigkeit, insbesondere in den letzten vier Dekaden. Schuld daran sind die Siedler und Bauern, die immer weiter in den Urwald vordringen und den Boden kultivieren - so wird es jedenfalls in UN-Publikationen, Berichten des International Institute for Environment and Development (IIED), des World Wide Fund for Nature (WWfN) und anderer internationaler Organisationen dargestellt. Melissa Leach und James Fairhead haben an Ort und Stelle recherchiert und festgestellt, daß die Wirklichkeit den Zahlen Hohn spricht (Misreading the african landscape: society and ecology in forest-savanna mosaic. Cambridge 1996). Die britischen Anthropologen verglichen Luftaufnahmen von 1950 mit Satellitenphotos von 1990 und 1992 und fanden heraus, daß der Waldbestand überall dort, wo Kleinbauern siedeln, sogar deutlich zugenommen hat - eine Tatsache, die ignoriert wird, weil sie nicht zu den Erwartungen ausländischer Beobachter paßt. Sie unterstellen, daß Westafrika früher von ausgedehnten Wäldern bedeckt war. Tatsächlich wies die typische Vegetation jedoch nur Waldflecken auf. Die Wirtschaftsweise der Einheimischen, die im Zehnjahresrhythmus zwischen Brache und Anbau abwechselt, zerstört die Landschaft nicht, im Gegenteil: Auf dem kultivierten Land entstehen regelrechte Waldinseln. Trotzdem wird z.B. in Guinea den Schulkindern beigebracht, die traditionellen Anbaumethoden ihrer Eltern seien rückständig und umweltzerstörerisch. So entstehen Vorschriften, die die örtlichen Farmer einschränken und ihnen z.B. verbieten, Bäume zu fällen, die sie selbst gepflanzt haben. Die Autoren äußern den Verdacht, daß einmal aufgestellte Zahlen umso "wahrer" werden, je renommierter die Institution ist, die sie abschreibt und veröffentlicht. Zudem erntet man für apokalyptische Szenarien Aufmerksamkeit, und das Vorweisen einer Umweltkrise bahnt den Weg zu finanziellen Zuwendungen. Leach und Fairhead bestreiten nicht, daß der Wald in Westafrika stirbt. Allerdings nicht dort, wo die traditionell arbeitenden einheimischen Bauern leben, sondern da, wo sich "moderne" landwirtschaftliche Produktionsweisen, Bergbau, Industrie und Städte angesiedelt haben. |
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