[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Es werde Licht [EU.L.E. HOME]

Die christlichen Missionare sind geschickt vorgegangen: Um den Menschen die Umstellung auf die neue Religion schmackhaft zu machen, wurde den alten heidnischen Festen ein christliches Mäntelchen verpaßt und das in den Festen implizierte Gute den christlichen Heiligen zugerechnet. So geschehen auch mit dem großen Lichterfest der nordeuropäischen Völker, das mitten im tiefsten Winter gefeiert wurde. Gerade zu dieser Jahreszeit übt das Licht eine enorme Faszination auf die Menschen aus, und so schmücken wir bis heute unsere Weihnachtsbäume mit Lichterketten und Kerzen.

Die Wissenschaft als Belichtungsmesser

Der Zusammenhang zwischen Licht und Gesundheit wurde - sofern nicht schon im Altertum bekannt - in der ersten Hälfte unseres wissenschaftlichen Jahrhunderts erhellt. Aufschlußreich waren z.B. Beobachtungen an Polarexpeditionen, die zeigten, daß Licht bzw. Lichtmangel insbesondere in hormonelle Regelkreise und die Tagesrhythmik eingreift. Am Ende des Polarwinters klagten die Teilnehmer z.B. über Leistungsschwäche, Hypotonie, Hypoglycämie, Ödeme, Abnahme von Potenz und Libido, Haarausfall, Beklemmungen, Schlaflosigkeit, Depressionen, Reizbarkeit und rasche Ermüdbarkeit. Alle Beschwerden normalisierten sich, sobald wieder genügend Tageslicht zur Verfügung stand. Der Augenarzt Fritz Hollwich hatte tagtäglich mit Kataraktpatienten zu tun und konnte an ihnen die frappierenden Veränderungen beobachten, die eine Entfernung der trüben Linsen und der somit wiederhergestellte Lichteinfall in die Augen bewirkte. Die laborchemischen Untersuchungen von Blutproben seiner Patienten ergaben zweifelsfrei, daß mangelnder Lichteinfall weitreichende Hormonstörungen (Hypothalamus, Schilddrüse, Nebennierenrinde) nach sich zieht. In Tierversuchen konnte er zeigen, daß Licht den Leberstoffwechsel anregt und der rote Spektralbereich deutlich stimulierend auf die Sexualhormone wirkt - worauf die roten Lampen seit alters her hinweisen. Die künstliche Beleuchtung hat sich jedoch nicht nur als Segen erwiesen, haben doch wir Laien auch selbst schon die negativen Auswirkungen an hell erleuchteten Arbeitsplätzen mit Streß, Erschöpfung oder zunehmender Nervosität verspürt. Auch zeigt sich hier wieder einmal, daß "ökologisch-sinnvoll" und "gesund" auflösbare Gegensätze sein können: Ausgerechnet die neuen Energiesparlampen sind aufgrund ihres Lichtspektrums sehr schlecht geeignet, das Sonnenlicht zu ersetzen.

Licht an und nichts wie raus!

Nicht nur U-Bahnschaffner, Büro- und Kaufhausangestellte bekommen im Winter fast ausschließlich Kunstlicht und kaum Sonnenlicht ab. Gerade ältere Menschen sitzen häufig in finsteren Stuben, obwohl auch sie vom Licht profitieren könnten. Raten Sie daher vor allem Ihren älteren Patienten, zumindest für eine Stunde am Tag aus der Wohnung zu gehen - selbst wenn das Wetter schlecht ist. Raten Sie ihnen auch, für genügend Beleuchtung im gesamten (!) Wohnbereich zu sorgen. Es sollte nicht wundern, wenn der Konsum an Antidepressiva und Süßigkeiten in der kalten Jahreszeit zurückgeht. Die Jüngeren ziehen meist ohnehin die einzig richtige Konsequenz aus der trüben Wetterlage und fahren zum Wintersport.



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