[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD WIDE]  [FORWARD] Ist Olivenöl nur Fett? [EU.L.E. HOME]

Wie wir alle wissen, sollen wir uns mit möglichst wenig Fett (unter 30 %) in unserer Nahrung begnügen. Anderenfalls droht uns der Herzinfarkt und ähnlich Schlimmes. Stimmte diese Theorie, müßten die diversen vaskulär bedingten Erkrankungen die Männer im Mittelmeerraum schon längst dahingerafft haben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Obwohl z.B. in Kreta die männliche Bevölkerung 42,8 % ihrer Kalorienzufuhr mit Fett deckt, ist ihr Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken, sehr niedrig, vergleichbar mit den Japanern, die lediglich 10 % ihrer Energie aus Fett beziehen.

Ungesättigte Fette - Theorie satt

Die Experten empfahlen neben einer allgemeinen Fettreduktion, möglichst viel mehrfach ungesättigte Fettsäuren (MUFs) zu sich zu nehmen. Das war die Chance der Margarine: Vom billigen Imitat avancierte sie zum herzschonenden Gesundprodukt und verdrängte die Butter von so manchem Frühstückstisch. Nur, wenn Fettsparen, Margarine und MUFs so gesund sind, wie erklärt sich dann, daß die männliche Bevölkerung rund ums Mittelmeer die Jahrhunderte überlebt hat?
Da man dort mit Olivenöl kocht und dieses reich an Ölsäure ist, gilt diese einfach ungesättigte Fettsäure jetzt als der Renner in Sachen Herzschutz. Bestimmt wird demnächst versucht, Margarinen mit möglichst hohem Anteil an einfach ungesättigter Ölsäure an den Mann, bzw. an die um ihn besorgte Frau, zu bringen. Und bestimmt gibt es bald endlos lange Tabellen, aus welchen sich der Gehalt einer jeden Mahlzeit ausrechnen läßt. Gut, daß bereits in so vielen Haushalten Computer stehen; die entsprechenden Programme sind längst erhältlich. Kein weiter Weg mehr zum elektronisch erstellten, gesundheitlich unbedenklichen Menü- und Einkaufsplan.

Traditionelle Mittelmeerküche: Gesund essen ohne Rechnerei

Bekanntlich bestehen unsere Lebensmittel nicht nur aus Fetten, Kohlenhydraten, Eiweißen und ein paar Vitaminen, auch wenn uns dies die Ernährungsexperten glauben machen wollen. Eine mindestens ebenso wesentliche Rolle spielen die Begleitstoffe, die eine ganze Reihe wichtiger pharmakologischer Eigenschaften besitzen. So wirkt das in Oliven und Olivenöl enthaltene Oleuropein koronardilatierend, antiarrhythmisch, antihypertensiv und spasmolytisch. Andere Inhaltsstoffe des Olivenöls wirken antibakteriell, antiviral und fungizid. In Rotwein, Äpfeln, Zwiebeln sowie grünem und schwarzem Tee sind es die Flavonoide, die kardioprotektiv und zudem auch anticancerogen wirken. Daß Zwiebeln und Knoblauch antimikrobielle Eigenschaften haben, gehört längst zum Allgemeinwissen. Ich denke, wir sollten angesichts der Vielzahl von sklavisch an diversen Ernährungsregimes festhaltenden Menschen dazu übergehen, unseren Patienten klar zu sagen, daß die moderne Ernährungswissenschaft noch weit davon entfernt ist, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit schlüssig erklären zu können. Bis es soweit ist, sollten wir ihnen empfehlen, sich ein gutes Kochbuch der italienischen, griechischen, spanischen oder auch südfranzösischen Küche zuzulegen. Damit´s endlich wieder schmeckt - ohne Rechnerei und schlechtes Gewissen.



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