|
|
Psychisch krank durch Pestizide
|
|
|---|
|
DAVIES, DR: Organophosphates, affective disorders and suicide. Journal of Nutritional and Environmental Medicine 1995/5/ S.367-374 Belastungen mit Organophosphor-Pestiziden wie Parathion (E 605) scheinen eine wichtige Ursache von psychischen Erkrankungen zu sein, so der britische Psychologe Davies. Er beklagt, daß mit dem Aufkommen der Sozialpsychologie die biologischen Ursachen vieler Krankheitsbilder, wie z.B. toxische Belastungen, verschleiert wurden. Davies stützt seine These mit neurochemischen, klinischen und epidemiologischen Beobachtungen. Zahlreiche Ergebnisse belegen den Einfluß von Organophosphaten auf den Gehirnstoffwechsel. Sie verändern die Gehalte an Neurotransmittern, namentlich von Serotonin. In den fünfziger Jahren wurden in klinischen Studien Gesunden wie depressiven Patienten diese Gifte verabreicht. Dabei kam es zu einer signifikanten Stimmungsverschlechterung, die bei den Kranken mit einer ausgeprägten klinischen Symptomatik verbunden war. Andere Untersucher berichten von psychiatrischen Symptomen, die sie den schizophrenen Reaktionen zurechneten. Studien am Personal der Pestizid-Herstellerwerke ergaben eine Häufung von Depressionen. Ebenso leiden Piloten von Sprühflugzeugen häufig unter schweren psychischen Störungen. In eigenen Untersuchungen beobachtete der Autor, daß Patienten, die mit Organophosphaten in Berührung gekommen waren, bei Belastungen unter ungewohnten Stimmungsschwankungen leiden, aber auch unter Depressionen, Reizbarkeit und Aggressionsausbrüchen. Alle Patienten gaben auf Befragen massive Selbstmordgedanken an. Epidemiologische Studien stützen diese Erkenntnisse: In verschiedenen Ländern korreliert die Selbstmordhäufigkeit mit dem Einsatz von Organophosphor-Pestiziden. Berufsgruppen, die besonders intensiven Kontakt mit diesen Giften haben, wie Landwirte oder Veterinäre neigen überdurchschnittlich oft zu suizidalen Handlungen. Anmerkung: Diese Publikation ist nicht nur für die Psychologie von grundsätzlicher Bedeutung, sondern vor allem auch für die Umweltmedizin. Die vielen psychischen Symptomatiken können leicht dazu verleiten, einen Patienten als Ökochonder einzustufen. Erschwerend kommt hinzu, daß Phosphorsäureester im Patienten praktisch nicht mehr nachweisbar sind, einmal ausgelöste Schäden aber bestehen bleiben können. Es ist im Verdachtsfall notwendig, derartige Belastungen bei der Anamnese zu eruieren.
|
|
|
© Copyright 1996 by EU.L.E. |
|---|