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Die traditionelle Ernährungstherapie der Malaria
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Die Malaria hat ihre klassische Rolle als furchtbarste Seuche zurückerobert. Jährlich erkranken etwa 300 Millionen Menschen daran, eine Million stirbt, vor allem Kleinkinder. In den Subtropen und den Tropen bedroht sie an die zwei Milliarden Menschen. Sowohl der Überträger der Malaria, die Anophelesmücke, als auch die Erreger selbst, die Plasmodien, werden zunehmend resistent gegen Insektizide und Antiparasitika. Der folgende Beitrag zeigt Strategien auf, die den Menschen vor der Erfindung von Medikamenten und Pestiziden die Besiedelung malariaverseuchter Landstriche ermöglichten.
(von Udo Pollmer)
Die enorme Bedrohung der Menschheit durch Malaria zeigt sich eindrucksvoll an diversen genetischen Anpassungen, wie z.B. der Sichelzellanämie: Dieser "Erbdefekt" half den Menschen, den Entwicklungszyklus der Plasmodien in den roten Blutkörperchen zu unterbrechen. Der häufigste angeborene Enzymdefekt ist ein Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD). Sein Vorkommen deckt sich mit dem historischen Verbreitungsgebiet der Malaria und betrifft etwa 400 Millionen Menschen. Die an sich harmlose Erbkrankheit verhindert eine schnelle Entgiftung von Sauerstoff-Radikalen, was für die Plasmodien mit ihrem hohen Sauerstoffbedarf bedrohlich ist. Seine volle Wirksamkeit erreicht der G6PD-Mangel aber nur in Verbindung mit einem geeigneten Radikalbildner. Diesen liefert in malariagefährdeten Ländern der Speiseplan: Die Ackerbohne (Vicia faba) enthält zwei Pyrimidine, Isouramil und Divicin, die reaktiven Sauerstoff bereitstellen. Erst die Kombination von Enzymdefekt und Ackerbohne ist gegen den Parasiten voll wirksam. Würde die These vom Eiweiß-Kalorien-Mangel stimmen, müßte Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls von Kwashiorkor heimgesucht worden sein. Da Kwashiorkor in Afrika auch dort auftritt, wo es genug zu essen gibt, wurden Zweifel an der Theorie angemeldet, afrikanische Mütter seien nicht in der Lage, ihre Kinder angemessen zu ernähren. Kwashiorkor-Kinder erkranken auffallend selten an Malaria. Für einen Zusammenhang spricht, daß das Anbaugebiet von Cassava mit dem Verbreitungsgebiet von Kwashiorkor weltweit deckungsgleich ist und daß junge Hunde in Fütterungsversuchen mit Maniok ein vergleichbares klinisches Bild zeigten. Folgender Schutzmechanismus wird diskutiert: Ein Teil des vom Körper aufgenommenen Linamarins wird enzymatisch gespalten und setzt Blausäure frei, die bei ausreichendem Schwefelangebot zu Thiocyanat entgiftet wird. Das Cyanid bewirkt oxidativen Streß, der die Parasiten in Verbindung mit G6PD-Mangel tötet. Für den radikalischen Mechanismus spricht, daß Kwashiorkor-Kinder unmittelbar nach therapeutischer Eisengabe verstarben. Die Häufigkeit von Kwashiorkor hängt vom Linamaringehalt der Cassava-Sorte ab und von der Verarbeitungsmethode. Reisende berichten, daß in trockenen Regionen Afrikas, also dort wo Gewässer als Brutstätten für die Malariamücken fehlen, die Cassava bei der Zubereitung gründlich ausgewaschen wird, um den Giftgehalt zu senken. Kwashiorkor ist entsprechend selten. In feuchten und sumpfigen Regionen hingegen, wo genug Wasser vorhanden wäre, aber die Malariagefahr besonders groß ist, betreibt man die Entgiftung der Cassava eher nachlässig. In Lateinamerika erkennt man nach landläufiger Meinung überwiegend maniokgenährte Kinder an ihren etwas aufgetriebenen Bäuchen. Da größere Mengen Maniok vor allem bei Mißernten verspeist werden, liegt es nahe, daß Europäer eine Mangelernährung vermuteten, umso mehr als die Cassavavergiftung mit hochwertigem Eiweiß therapiert werden kann. Eine dritte Krankheit, die in Malariagebieten auftritt, ist der Lathyrimus. Lathyrismus wird gewöhnlich durch Platterbsen (Lathyrus sativus) in Verbindung mit eiweißarmer Ernährung verursacht. Das Vergiftungsbild ähnelt sowohl dem Favismus als auch dem Cassavismus, was einen vergleichbaren Mechanismus nahelegt. Lathyrismus ist durch Nervenschäden, Lähmungen der Beine, der Blase und des Mastdarms und manchmal auch Hirnschäden gekennzeichnet. Hier spielen Nitrile als Toxine eine wichtige Rolle. Womöglich erzeugen sie ähnlich wie das Cyanid der Cassava oxidativen Streß für die roten Blutkörperchen.
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