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Ignoranz der Intoleranz
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Eines der häufigsten Krankheitsbilder, die Patienten in der hausärztlichen Praxis beklagen, sind chronische Verdauungsstörungen, sei es in Form von Blähungen, abdominalen Schmerzen oder häufigen flüssigen Stuhlentleerungen. Diagnostik und Therapie dürften daher eigentlich kein Thema sein. Dem Pilz gilt´s
Allerdings ist es derzeit bei Patienten, Heilpraktikern und Ärzten "en vogue", die Ursache vor allem in einer Besiedelung des Darmes mit Candida albicans zu suchen. Wenn´s hochkommt, werden ein paar Tests durchgeführt, die sich üblicherweise auf die Erhebung der immunologischen Serumparameter beschränken. Schließlich erhält der Patient eine meist langdauernde antimykotische Therapie - sehr beliebt sind Gaben über mindestens drei Monate. Und schon ist wieder ein Patient für den Rest seines Lebens davon überzeugt, daß "die Pilze" Ursache allen Übels sind. Daß es den Patienten hinterher nahezu immer schlechter geht, ist eigentlich kein Wunder. Auch Lactose geht in die Hose
Wesentlich häufiger als vermutet, kommt als Ursache für chronische Verdauungsstörungen eine primäre oder sekundäre Unverträglichkeit gegenüber Lactose in Frage. Sie tritt mit einem deutlichen Nord-Süd-Gefälle in Europa auf: Während in den skandinavischen Ländern und in Deutschland bis zu 15% der Erwachsenen an Lactosemalabsorption leiden, sind es in Italien ebenso wie in Griechenland und der Türkei bereits 40 bis 70%. Lactose: auch ein Problem in Medikamenten Im Falle einer Lactoseintoleranz wird es für den Patienten schwierig. Denn bei voller Ausprägung sind Milchprodukte und alle Nahrungsmittel tabu, die Milchzucker enthalten. Die Kennzeichnung auf den Etiketten industriell hergestellter Lebensmittel macht uns zwar staunen, in wievielen Eßwaren Lactose verwendet wird, bedauerlicherweise steht aber nicht immer drauf, wenn Milchzucker drin ist. Und: Überlegen Sie mal, in wievielen Medikamenten Lactose als Hilfsstoff vorkommt - vor allem Homöopathen werden hier verzweifeln. Wir Ärzte sollten intoleranter werden - einer schludrigen Diagnostik gegenüber. Sonst entwickeln unsere Patienten eines Tages womöglich noch eine Ärzte-Intoleranz.
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