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BERGH, C, SÖDERSTEN, P: Anorexia nervosa, self-starvation and the reward of stress.
Nature Medicine 1996/2/S.21-22
Die Magersucht (Anorexia nervosa) hat keine psychischen sondern neurochemische Ursachen, behaupten Cecilia Bergh und Per Södersten vom schwedischen Karolinska Institut. Sie halten die übliche psychiatrische Definition für unbrauchbar: Weder das Kriterium "Angst vor der Gewichtszunahme" noch die "gestörte Körperwahrnehmung" würde von allen Anorektikern erfüllt. Auch seien "Gewichtsverlust" und "Ausbleiben der Monatsregel" wenig sinnvolle Diagnosekriterien, da sie eine Folge der unzureichenden Nahrungszufuhr darstellen. Die Autoren halten sich deshalb lieber an die beiden typischen Merkmale der Anorexie: Das Hungern und die gesteigerte körperliche Aktivität.
Wie gefährlich Diäten in Verbindung mit Sport sein können, haben kürzlich Tierversuche untermauert: Erhalten weibliche Ratten freien Zugang zu einem Laufrad und Futter, so bleibt ihr Körpergewicht konstant. Ebenso, wenn sie nur noch eine Stunde am Tag Gelegenheit zum Fressen, aber kein Laufrad haben. Läßt man sie hingegen nur eine Stunde fressen und gibt ihnen die Möglichkeit zu laufen, rennen sie, ohne ausreichend zu fressen und magern schnell ab. Je mehr sie an Gewicht verlieren, desto stärker steigern sie ihr "Training", so daß die meisten Ratten nach kurzer Zeit sterben.
Bergh und Södersten machen dafür Neurotransmitter verantwortlich. Hungern und körperlicher Streß bewirken eine erhöhte Ausschüttung des Corticotropin-Releasing-Faktors (CRF) im Hypothalamus. In der Folge steigen auch die Cortisol-Spiegel. Während CRF den Hunger unterdrückt, können die Glucocorticoide Euphorien und Abhängigkeit auslösen. Bei Magersüchtigen sind die CRF-Spiegel im Gehirn und die Cortisolwerte im Blut tatsächlich erhöht. Seit 25 Jahren ist zudem bekannt, daß Nahrungsverzicht und Gewichtsverlust bei hungernden Frauen Wohlbefinden auslöst. Mit anderen Worten: Sind Hunger und Sport erst einmal mit angenehmen Empfindungen gekoppelt, kann es zur Sucht kommen, bei der die Betroffenen immer weiter hungern und Sport treiben. Deshalb verwundert es auch nicht, "daß das Risiko, sich selbst auszuhungern bei weiblichen Spitzensportlern deutlich erhöht ist". Demnach ist Anorexie eine Folge von Abnehmdiäten in Verbindung mit Sport.
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