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Medienoffensive allüberall, gebetsmühlenartig wiederholte Warnungen und Appelle - nein, es handelt sich nicht um Bosnien oder den Südlibanon, es geht um das Jodmangelgebiet Deutschland. Immer größere Prozentsätze von sogenannten Jodmangelstrumen werden entdeckt, mittlerweile schon bei über 50% der Bevölkerung. Nicht einmal der Norden der Republik soll mehr sicher sein.

Analytikprobleme

Keineswegs sicher ist dagegen, ob wir mit der Jodausscheidung über den Urin auch einen Parameter messen, der exakte Rückschlüsse erlaubt. Gerade dieser Richtwert ist in Deutschland niedrig und dient daher den Experten zur Rechtfertigung einer generellen Jodsupplementation. Es sei hier nicht bestritten, daß eine medikamentöse Jodgabe positive Auswirkungen auf die Strumahäufigkeit hat. Doch beweist dies bereits einen generellen Jodmangel in der Bevölkerung? Könnten hierbei nicht auch andere Interaktionen und Mechanismen eine Rolle spielen?

Umdenken ist gefragt

Für mich ergeben sich aus der teilweise recht hart und unfair geführten Diskussion um die generelle, zwangsweise Jodsupplementation noch zwei weitere Fragen:
Warum besteht in Deutschland, einem Gebiet mit nur mäßigem Jodmangel, eine derartig hohe Strumaprävalenz? Gibt es nicht noch andere, genauso bedeutende Gründe für die Strumaentstehung als die Jodarmut der Böden?
Warum hat der menschliche Körper für einen, nach der Theorie bereits seit Jahrtausenden bestehenden, Jodmangel noch kein adäquates "Management" entwikkelt? Könnte der Jodmangel Auswirkungen auf die Prävalenz anderer, gefährdenderer Krankheiten haben und somit einen Schutzfaktor darstellen?

Verantwortung nicht abgeben

Nachdem sich jeder von uns mindestens einmal wöchentlich über "den Apotheker" ärgert, der einem Patienten Medikamente ohne genaue Kenntnis der Erkrankung anrät, wundert es mich sehr, daß die meisten Kollegen die Dosierung und Verteilung eines Arzneimittels wie des Jodids dem Koch, Bäcker oder Metzger oder auch dem Staat überlassen wollen.
Wäre es nicht sinnvoller, eine entsprechende Diagnostik vorzuschalten und gegebenenfalls dann eine individuelle Jodsupplementation zu empfehlen. Vielleicht kennt die medizinische Wissenschaft in absehbarer Zeit ja auch andere als Jodmangelstrumen.
Aber solange zumindest einigen Kollegen keine negativen Auswirkungen der generellen Jodsupplementierung bekannt und vorstellbar sind, und solange ein erniedrigtes basales TSH immer noch mit einer Hypothyreose gleichgesetzt wird (das ist gar nicht so selten!), dürften sämtliche Appelle verhallen.



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