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Diabetes: ein metaphorisches Syndrom
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Jeder kennt es - doch was ist es eigentlich - das "Metabolische Syndrom"? Nachdem für viele Kollegen die Ernährungstherapie beim NIDDM unbefriedigend geblieben ist, ergriffen nun die Wissenschaftler die Gelegenheit und subsummierten all das, was nicht so recht behandelbar ist unter diesem Begriff. Als da sind Adipositas, Dyslipoproteinämie, Hypertonus, Glukosetoleranzstörungen und Hyperurikämie. Was der Patient damit anfangen soll, blieb bis dato im Dunkeln. Seltsam auch, daß es im Süden der Republik, insbesondere im Münchner Raum wesentlich häufiger aufzutreten scheint als anderswo. Doch lassen wir einmal das akademische Gezänk beiseite und wenden uns den praktischen Fragen zu. Krank durch Broteinheiten
Die ach so simplen "Broteinheiten" (BE), jetzt euphemistisch "Berechnungseinheiten" genannt, sind im Grunde ein Armutszeugnis unserer Branche. Es gibt nun wirklich keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Blutzuckerspiegel und den Kohlenhydraten einzelner Nahrungsmittel. Ein Butterbrot zeigt schon ein völlig anderes Profil als dasselbe ohne Butter. Wir müssen uns dabei immer vor Augen halten, daß der Kohlenhydratgehalt eine analytische Maßzahl ist, die für den Chemiker hilfreich, für den Arzt jedoch irreführend ist. Denn die Verdauungs- und Resorptionsvorgänge des Organismus haben mit den Aufschlußverfahren der Kollegen in den Labors herzlich wenig zu tun. Glycäm - was?
Immerhin wurde der BE-Unfug vor gut einem Jahrzehnt auf internationaler Ebene abgestellt. 1977 hatte offenbar jemand den Mut nachzumessen, ob der Blutzucker so reagiert, wie es die Theorie fordert und das niederschmetternde Ergebnis auch zu publizieren. Als Resultat entstand der "Glykämische Index", der den komplexen Vorgängen der Resorption von Nährstoffen ein wenig näher kommen soll. Er ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluß, aber weniger weltfremd als die BE. Doch auch beim Glykämischen Index ist die Anwendung an der Praxis gescheitert, denn kein Zuckerkranker kann sich damit im täglichen Leben seine Nahrung praktikabel und individuell zusammenstellen.
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