[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Die Barker-Hypothese [EU.L.E. HOME]

BARKER, DJP: Intrauterine programming of adult disease.

Molecular Medicine Today 1995/1/S.418-423

David Barker von der Universität Southampton hat mit seiner Hypothese innerhalb kürzester Zeit das klassische Weltbild von der Entstehung der Zivilisationskrankheiten auf den Kopf gestellt. Seine Idee ist so simpel wie genial: Es ist allgemein akzeptiert, daß Krankheiten sowohl genetisch bedingt, also "angeboren" sein können, als auch durch den Lebensstil "erworben". Barker behauptet nun, daß die Phase dazwischen - das intrauterine Wachstum - genauso entscheidend sein könnte.

Beim Säugling werden ein geringes Geburtsgewicht, Disproportionen des Kopfumfangs zur Körperlänge oder ein dünner Körper als deutliche Indizien für eine Mangelversorgung in verschiedenen Schwangerschaftsstadien gewertet. Der Fötus ist äußerst empfindlich: Kommt es in kritischen Phasen zu Störungen, können die Zellteilung und die Entwicklung einzelner Organe nachhaltig verändert werden. Dies könnte die Entstehung von Krankheiten im Erwachsenenalter entscheidend beeinflussen.

Erste Hinweise lieferten englische Aufzeichnungen vom Anfang des Jahrhunderts: Ein niedriges Geburtsgewicht war die Haupttodesursache bei Neugeborenen, die Säuglingssterblichkeit in nördlich gelegenen Industriestädten und ärmlichen ländlichen Regionen besonders hoch. Heute findet sich dort die höchste Rate koronarer Herzkrankheiten. Mittlerweise belegen mehrere Studien, daß Erwachsene, die kleine Babies waren, viel häufiger an einer koronaren Herzkrankheit leiden.

Wer bei der Geburt einen kurzen Körper im Vergleich zur Größe des Kopfes hat, leidet vermehrt an Störungen des Cholesterin-Metabolismus und der Blutgerinnung. Auch bei Diabetes Typ II findet sich eine Korrelation mit einem niedrigen Geburtsgewicht. Dünne Babies bekamen möglicherweise im mittleren und letzten Drittel der Schwangerschaft zu wenig Nährstoffe, so daß vorrangig ihr Gehirn versorgt wurde, während die Muskeln eine Insulinresistenz ausbildeten.

Bei dünnen und kleinen Babies kommt es im Erwachsenenalter auch vermehrt zu erhöhtem Blutdruck. Was spekulativ klingt, hat eine beachtliche epidemiologische Basis. Barker kann sich für die letzte Schlußfolgerung immerhin auf 21 Studien berufen.

Anmerkung: Barker hat für alle diese im ersten Moment eher zufällig oder gar obskur wirkenden Korrelationen plausible biochemische Modelle anzubieten. Ein ursächlicher Beleg steht dennoch aus. Nichtsdestotrotz sollte die Idee weiter verfolgt werden, insbesondere im Hinblick auf die bei jungen Frauen verbreiteten Diäten.



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