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Weihnachten - Ein fröhliches Fest
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Während ganze Teams von Analytikern, Biologen und Pharmakologen die entlegendsten Orte der Erde aufsuchen, um heiße Quellen, arktische Biotope oder die Tiefsee des pazifischen Ozeans nach biologisch wirksamen Naturstoffen durchzuscreenen oder das phytopharmakologische Wissen der Naturvölker des Amazonasbeckens zu studieren, bleibt das Naheliegendste einfach liegen: Die pharmakologischen Wirkungen unserer Gewürze. Düfte wehen durch´s Haus Ätherische Öle erleben in der Selbstmedikation einen wahren Boom, wobei die wissenschaftliche Begleitung hoffnungslos hinterherhinkt. Noch in den 40er Jahren gab es hierzulande detaillierte und umfangreiche experimentelle Untersuchungen über die Wirkungen einzelner Aromen in der medizinischen Therapie. Dieses Wissen ging weitgehend verloren und wird nun vor allem von amerikanischen Wissenschaftlern neu erarbeitet, offenbar weil sie die deutschen Quellen nicht kennen. Das alles sollte jedoch nicht täuschen: Inzwischen tauchen die psychopharmakologischen Wirkungen einzelner Duftstoffe in US-Patentschriften auf. In Asien ist das, was wir als Genußmittel verzehren, seit Jahrtausenden ein zentraler Bestandteil der traditionellen chinesisch-japanischen Kampo-Medizin. Da sie gewöhnlich mit Dekokten arbeitet, stehen für sie die ätherischen Öle nicht im Vordergrund. Das deutet auf ein zusätzliches Wirkprinzip hin. Pharmaindustrie schläft selig Unsere Pharmaindustrie zeigt wenig Neigung, sich den pharmakologisch höchst interessanten Inhaltsstoffen von Gewürzen zuzuwenden und ihre therapeutischen Möglichkeiten zu nutzen: Naturstoffe sind unter patentrechtlichen Gesichtspunkten längst nicht so interessant wie synthetische Drogen, insbesondere, wenn die wichtigsten Indikationen schon bei Hippokrates nachgelesen werden können. Zimtsterne und Pfeffernüsse auf BTM-Rezept? Daneben behindert noch etwas ihre Erforschung: Die erkennbar psychotropen Wirkungen von Gewürzen. Man denke nur an den Morphingehalt von Hopfen, der die Beliebtheit von Bier erklären hilft, an die Empfehlung älterer Pharmakopoeae, Safran als Alternative zu Opium zu verwenden oder, im Falle der Muskatnuß, die Metabolisierung von Myristicin zu einem Amphetamin mit der doppelten Wirksamkeit von Meskalin. Zugegeben: Jede Publikation einer entsprechenden Analyse könnte unser Gewürzregal samt Lebkuchen und Glühwein unter das Betäubungsmittelgesetz fallen lassen. Doch die Freude an diesen Leckereien wollen wir unseren Patienten nicht nehmen - und uns natürlich auch nicht. Vielleicht bleibt es besser ein offenes Geheimnis.
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