[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] So bekommen Sie ihr Fett weg [EU.L.E. HOME]

Pseudofette erscheinen auf den ersten Blick als intelligente Lösung wichtiger ernährungsmedizinischer Probleme. Nicht nur, daß sie keine Kalorien liefern, sie senken auch den Cholesterinspiegel, indem sie die Absorption von Cholesterin unterbinden, seine Ausscheidung stimulieren bzw. diesen Stoff mutmaßlich aus der Mukosa herauslösen. Darauf deuten toxikologische Untersuchungen zur Entfernung von DDT aus dem Körperfett durch Verfütterung nicht resorbierbarer Pseudofette. Daraus ergeben sich gleich zwei klinisch relevante Fragen: Kompensiert der Körper über die Homöostase den Cholesterinverlust durch vermehrte endogene Synthese? Und wichtiger noch: Sind davon auch andere lipidlösliche Substanzen betroffen? Es gibt neben den klassischen Vitaminen zahlreiche Stoffwechselregulatoren mit Lipidcharakter, z.B. Glycolipide. Welche Auswirkungen hat dies wiederum auf die Resorption anderer Stoffe an der Mukosa? Mit welchen immunologischen Konsequenzen muß der Patient rechnen, wird doch die Immunität des Menschen gerade über seine Mukosa nachhaltig beeinflußt? Gibt es hier Zusammenhänge mit Autoimmunkrankheiten oder Allergien? Die vorliegenden toxikologischen Arbeiten bleiben eine Antwort schuldig.

Bestenfalls wirkungslos

Eine Folge des Einsatzes von Fettersatzstoffen scheint allerdings geklärt: Das Körpergewicht der Versuchstiere bleibt in aller Regel gleich, egal ob sie kalorienfreie Fettersatzstoffe erhielten oder gewöhnliches Laborfutter bekamen. Bei höheren Dosierungen (ab ca. 10%) scheint das Gewicht sogar anzusteigen. Damit liefern die Studien weniger ein Argument für die Harmlosigkeit der Präparate, als vielmehr für deren Wirkungslosigkeit.

Pseudofette können buchstäblich in die Hose gehen

Unverdauliche Fettersatzstoffe werfen noch ein ganz anderes praktisches Problem auf, das in der Diskussion bisher unterging: Nicht resorbierbare Substanzen werden unverändert wieder ausgeschieden. Soweit, so gut. Im Falle von Pseudofetten, die bei Körpertemperatur flüssig sind, bedeutet dies jedoch nicht nur eine abführende Wirkung, sondern vor allem analen Ausfluß. Man versucht dieses Problem durch den Zusatz sogenannter "Anti-anal-leakage-Agents" zu lösen, die z.B. im Mund ölig sind und sich während des Verdauungsvorgangs verfestigen. Dies führt wiederum zu unerwünschten Geschmacksveränderungen der Ausgangsrezeptur und zu technologischen Problemen vor allem in Hinblick auf die Mischbarkeit.

Primum nihil nocere

Therapiekonzepte dieser Art schaffen keine Lösung sondern Probleme - und sie erzeugen beim Patienten die Illusion, er könne sein Gewicht durch die "richtigen" Präparate in beliebiger Weise manipulieren. Das Scheitern dieses verständlichen Wunsches wird von vielen Menschen als persönliches Versagen empfunden. Wir sollten in unserer Praxis den Mut haben, unseren Patienten zu sagen, daß Lightprodukte in aller Regel nicht zu einer Abnahme des Körpergewichts führen. Und wir sollten vielleicht mit unserer pauschalen Warnung vor Übergewicht (welche Definiton ist hier überhaupt "objektiv") etwas zurückhaltender sein, wenn wir damit Gefahr laufen mehr Schaden als Nutzen zu stiften.



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