[BACK]  [BACK WIDE]  [HOME]  [FORWARD] Editorial    -    Alzheimer durch Deosprays? [EU.L.E. HOME]

Wir machen Kochtöpfe und Verpackungen daraus, bauen Flugzeuge damit, verarbeiten es zu Medikamenten, Zusatzstoffen und Kosmetika: Die Rede ist von Aluminium, das, so scheint es, zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres modernen Lebens geworden ist. Doch der breite Einsatz hat auch seine Schattenseiten. Seit langem wird ein Zusammenhang zwischen der Alzheimerschen Demenz und der Aluminiumaufnahme vermutet. Eine Reihe von Gründen spricht für eine ursächliche Beziehung:
Die Aluminiumspiegel im Gehirn von Alzheimer-Patienten sind deutlich erhöht.
Eine erhöhte Aluminiumaufnahme führt bei Nierenkranken nicht selten zu einer Hirnerkrankung, die in Demenz enden kann.
Aluminium-ausleitende Medikamente können den geistigen Verfall bei Alzheimer aufhalten.
Zwischen dem Aluminiumgehalt im Trinkwasser und der Häufigkeit von Alzheimer besteht ein Zusammenhang. Aluminium (Al) galt lange als "inertes", harmloses Material, das vom Darm nicht aufgenommen wird und die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Wenn Tausende von Patienten jahrelang Magensäurebinder auf Aluminiumbasis ohne sichtbare Nebenwirkungen einnehmen können, so die Argumentation der Aluminiumbefürworter, kann das Leichtmetall doch so schädlich nicht sein. Auch seien die Gehalte im Trinkwasser im Vergleich zu anderen Lebensmitteln unbedeutend. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, wie neuere Forschungsergebnisse zeigen.

Silizium - der Schlüssel zum Verständnis

Was bislang unberücksichtigt blieb, ist die Wechselwirkung von Aluminium und seinem Gegenspieler Silizium. Seit 1972 weiß man, daß Silizium essentiell ist. Es regeneriert Enzyme, die durch Aluminium geschädigt wurden, indem es das Aluminium verdrängt oder bindet. Diese Eigenschaft machte man sich umgekehrt bei der Behandlung der Silikose, einer Lungenkrankheit durch Silikat-Staub zunutze: Sie wurde früher mit Al-Stäuben therapiert. Auf die Idee der gegenseitigen Beeinflussung kam J.D. Birchall, ein Forscher des britischen Chemiekonzerns ICI. Ihm war aufgefallen, daß Silikatmangelzustände und Aluminiumvergiftungen ähnliche Symptome hervorrufen. Silikat blockiert die Al-Aufnahme. Wird silikatarmes Wasser zur Lebensmittelherstellung verwendet, gelangt erheblich mehr Aluminium aus der Nahrung ins Blut. Gewöhnlich gehen hohe Al-Gehalte im Trinkwasser mit niedrigen Silikatgehalten einher und umgekehrt. Damit wären die epidemiologischen Befunde geklärt: Das Ausmaß der Resorption wird nicht nur vom Al selbst, sondern vor allem vom Silikat bestimmt.
Eine weitere Gefahr droht durch die Fluoridierung des Trinkwassers: Mit Fluorid reagiert Al zu Al-Trifluorid, einem kleinen, neutralen Molekül, das geradezu prädestiniert dafür ist, die Darmwand und die Blut-Hirn-Schranke zu passieren.

Risikofaktoren Deospray, Geschmacksverstärker und Laugenbrezeln

Das Einatmen von Al-Dämpfen führte im Tierversuch zu Ablagerungen im Gehirn. Und beim Menschen? Die Verwendung Al-haltiger Deosprays korrelierte mit Alzheimer. Zufall? Wir wissen es nicht. Zusatzstoffe und natürliche Bestandteile unserer Nahrung können Aluminium "huckepack" ins Körperinnere mitnehmen, so z.B. Zitronensäure oder die Geschmacksverstärker Maltol und Glutamat. Kompott, Tomaten- oder Sojasoße lösen aus unbeschichtetem Aluminiumgeschirr erhebliche Al-Mengen heraus und machen sie durch Komplexbildung darmgängig. Ist dazu noch Fluor im Kochwasser, so steigt der Gehalt an Al um das 10- bis 100-fache.
In einigen Staaten spielen Al-Salze als Zusatzstoffe ein große Rolle, z.B. in Backpulver und Schmelzsalzen. In Deutschland werden Al-Zusätze nur sparsam verwendet: Zur Trinkwasseraufbereitung, als Zusatz für Flüssig-Ei, Wurstpellen und Kaugummis. Eine "volle Dosis" kann man allerdings auch hierzulande abbekommen: In Laugengebäck fand die Lebensmittelüberwachung Spitzenwerte von fast einem halben Gramm pro Kilo. Manche Bäcker hatten die Brezeln auf Alubleche gelegt und diese komplett in die Lauge getaucht. Die ätzende Flüssigkeit löst das Aluminium aus den Blechen heraus.

Udo Pollmer



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